Welle-Poseidon

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Wanderruderfahrt Berlin - Hamburg im Mai 2007


Teil 1: Die Havel

Von Berlin nach Hamburg zu fahren - kein Problem: mit dem ICE dauert es anderthalb Stunden, per Auto eher drei Stunden. Und per Ruderboot? Da muss man schon etwas mehr Zeit mitbringen: neun Tagen dauerte unsere Wanderruderfahrt über Havel und Elbe bis nach Hamburg. Aber diese neun Tage in idyllischer Landschaft, die großenteils zu beiden Seiten der Havel bis Havelberg unter Landschaftsschutz stehen, waren sehr erholsam - und überwiegend ein großes Vergnügen!

Ein paar Einschränkungen gibt es natürlich immer, vor allem weil die Mannschaft (Franky, Heidi P., Pollux, Norbert, Wolfgang, Ulla, Conny) erst einmal etliche Tage an harten Knochen, nämlich den ungeliebten Holz-Skulls, zu kauen hatte. Dafür musste sich der Fahrtenleiter in den ersten Tagen viel Gejammer anhören, zumal wir auf der ersten Etappe am Himmelfahrtstag extremen Gegenwind hatten. Aber das sonnige und teilweise sehr heiße Wetter entschädigte uns anschließend und die Laune stieg entsprechend.


Auf der Havel

Im Havelland wurden wir begleitet von Kuckucksrufen, dem Quaken der Frösche, Graureiher und Schwäne beobachteten uns vom Ufer, Adler aus der Luft, kurzum: hier ist die Havel keine mitteleuropäische Wasser-, sondern eher eine Ferienstraße. Wasserwanderer trafen wir unterwegs selten, einige Segler und mehr Motorboote, aber kaum Berufsschifffahrt. Dadurch entstanden an den Schleusen längere Wartezeiten, die von der Mannschaft kurzerhand zum kollektiven Mittagsschlaf genutzt wurden.
Plaue-Rathenow

Aber auch die regulären Quartiere in Ketzin, Brandenburg-Plaue, Rathenow oder Havelberg hatte der Fahrtenleiter gut ausgesucht. Nach einem langen Rudertag und mit der entsprechenden Bettschwere durch tägliche Neuwasserlagen waren sie sehr gefragt. Speis und Trank am Uferrand ließen meist nichts zu wünschen übrig, auch wenn es im idyllischen Ort Garz schon mal so lange dauerte, dass Fahrtenleiter Fränky gleich wieder selbst zum Zapfhahn greifen wollte.

Am Sonntagabend gab es in Havelberg einen Mannschaftswechsel: Ulla und Conny mussten leider zurück, dafür kamen Heidi W. und Gerd mit frischen Kräften. (Cornelia C.)

Teil 2: Die Elbe

Sonntag, fahre ich mit Heidi W. nach Havelberg um Ulla und Conny abzulösen, die am Montag wieder arbeiten "dürfen". In der "Erlebnispädagogischen Einrichtung Elch" treffen wir auf die stark aufgeheizten Ruderer. In der einfachen, aber sehr gepflegten Herberge richten wir uns ein und gehen zu gemeinsamen Abendessen in den Ratskeller. Am Morgen, Franky hat sich bemüht die Dolle umzumontieren, gehen die Boote erst gegen 12h zu Wasser. Die Althavel ist leider gesperrt, so müssen wir bereits unmittelbar auf die Elbe. Gegen 15.00 machen wir bei Wittenberge in einem Yachthafen Pause, nehmen einen kleinen Imbiss zu uns, um dann gegen 17.30 in Cumlose anzulanden. Ich mache mit dem warmen Elbwasser Bekanntschaft, bevor ich das rettende Land erreiche. Im Landgasthof Schmidt finden wir mit quakenden Fröschen bequeme und erholsame Nachtruhe. Am Folgetag werden wir wieder zum Hafen gefahren, Auf der Strecke sehen wir nicht nur die üblichen Gabelweihen, sondern auch Seeadler. Zunächst diesig, leichter Wind dann aber auffrischend, so dass wir langsam vorankommen, alle 10km wechselt der Steuermann, am Elb-km 503 machen wir Pause am neuen Yachthafen. Dann Weiterfahrt auf der Elde nach 4 Km und 3 Schleusen, von denen eine auf Selbstbedienung umgestellt ist, kommen wir zum Hotel Eichenhof in Heiddorf, gediegen mit Wellnessbereich (Sauna +Pool). Der Inhaber erklärt uns später, was es mit der Ortsteilbezeichnung "Hier kommen wir zusammen" auf sich hat.

Am 22.05. ein fulminantes Frühstück. Gegen 9.00 zurück nach Dömitz, nach Einkauf empfängt uns Sonne, aber auch kühler Westwind mit Böen bis Stärke 4. In Hitzacker machen wir zum Mittagessen Pause. Bei Km 536 finden wir danach einen besseren Rastplatz in einem neuen Sporthafen mit einem äußerst gastfreundlichen Hafenmeister. Bei Km 550 fahren wir in den Hafen Bleckede ein. In Ortsmitte kommen wir zu unserm Quartier " Hotel Zum Löwen", eine äußerst komfortable Unterkunft. Abendessen findet aber beim lokalen Italiener statt. Ich sacke dann mit Pollux und Franky in "Keona`s" an der Bar ab, wir erfahren viel über Spitzenrennboote und Finnische Fertigholzhäuser, die der Chef dieses Etablissement als Deutsch-Finne vertritt. Am nächsten Tag treffen wir Thea und Helmut in der RG Lauenburg. Am Km 584 stoppen wir bei der RG Geesthacht, der Hausmeister fährt unser Gepäck in die Jugendherberge, während wir auf einer Odyssee zu Fuß versuchen seiner "Abkürzungsbeschreibung" zu folgen, zum Schluss findet er uns und führt uns ans Ziel, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft wir gut zu Abend essen ("Altes Forsthaus").


Havelberg-Cumlosen

Der nächste Tag wird von der Tide bestimmt, die erst gegen 13.30 ihren Höchststand erreicht hat, wir warten deshalb ab 11.30 an der Schleuse. Gewitter ziehen durch. Franky und Norbert haben die Käpten auf 1 etwas höher geriggert. Nach einigem Schwarzblech können auch wir die Schleuse passieren. Insgesamt ist der Elbverkehr sehr gering. Bei Km 593 am Yachthafen Zollspieker kurze Pause, dann bei heftigem Gegenwind über die Norderelbe auf der Suche nach dem Zollkanal. Es bietet sich eine Blick in die Unterwelt - bei Niedrigstwasser eine gespenstige Landschaft von freiliegenden, arg zernagten Poldern, Stützlabyrinthen und prielähnlichen Fahrrinnen, menschenleer auf der Suche nach der ersten Schleuse (Schwarztorschleuse, städtisch, so dass wir unsere Gebühr in den Klingelbeutel bar entrichten müssen - 1,60 pro Boot). Dann Durchfahrt zur Rathausschleuse, über uns die Speicherstadt, Michel, Rathaus, der Prunk der Museen, Luxushotels- so gelangen wir in die Oberwelt zurück auf die Binnenalster. Wir umfahren die Fontäne, die nicht in Betrieb ist, sammeln noch Golfbälle auf, die in einer Werbeveranstaltung verschossen waren. Unter der Lombardbrücke hindurch kommen wir auf die Außenalster. Am Westufer liegt der RC Favorita-Harmonia, wo wir unsere Boote auf den riesigen Steeg herausnehmen. Der älteste deutsche Ruderverein Hamburger-Germania (1836) grüßt von nebenan.

Am nächsten Tag rudern noch einige Unverdrossene auf der Alster und überschreiten damit die 400km dieser Wanderruderfahrt (ansonsten 386 - davon 146 Havel) . Am nächsten Tag ist Jördin mit dem Mietbus und Anhänger eingetroffen, so dass wir morgens (Pfingstsonntag) aufladen und nach Berlin zurückfahren können.


Ziel erreicht: Hamburg, die Alster

Fast die gesamte Fahrt stand unter klimatisch beständigem Wetter; tiefe Bräune in den Gesichtern und an den Armen, Beinen und Händen, einige Schwielen, aber auch viele optische Eindrücke, Erinnerungen an schöne Orte und erholsame Quartiere bleiben zurück. Alle, die die Haveletappe gerudert sind, bekräftigten ihre Meinung, das sei der landschaftlich schönere Teil der Fahrt gewesen. Dank der Planung und Leitung des Fahrtenleiters Franky hatten wir alle wieder ein lebendiges Erleben des Grundsatzes der drei Musketiere: Einer für Alle - Alle für Einen. (Gerd R.)

Alle Fotos Berlin-Hamburg 2007 Kamera 1
Alle Fotos Berlin-Hamburg 2007 Kamera 2